WISSENSWERTE-Recherchestipendien für Medizinjournalisten

Ziel des Stipendiums ist es, mit einer dreimonatigen Recherche komplexe Themen durch eine innovative journalistische Herangehensweise und Umsetzung für ein breites Publikum transparent zu machen. Die Projektmittel stammen von der Robert Bosch Stiftung, die damit die Recherchekompetenzen im Medizinjournalismus fördern will.
 

Thema: Profitdruck im Gesundheitswesen – wo Patienten auf der Strecke bleiben

Gesucht werden Recherche-Ideen, die die Auswirkungen der zunehmenden Ökonomisierung im Gesundheitswesen auf den Patienten aufzeigen. Mit den Stipendien wollen wir Recherchen zum Thema „Profit vor Patient“ anstoßen, die Fehlentwicklungen und Reformbedarfe für die Öffentlichkeit transparent machen. Die folgenden Beispiele sollen exemplarisch zeigen, in welche Richtungen sich Recherchen bewegen könnten:

-      Krankenhäuser: Seit Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschale im Jahr 2003 wird die medizinische Behandlung eines Patienten nicht mehr nach der Dauer bezahlt, sondern pauschal. Dies hat den ökonomischen Druck auf die Krankenhäuser erhöht – hinzu kommen der demographische Wandel und die angespannte Haushaltslage der Länder und Kommunen. Wie lässt sich das medizinische Niveau von Krankenhäusern erhalten, wenn die Zahl der multimorbiden und älteren Patienten steigt und Ärzte und Pflegepersonal durch kürzere Liegezeiten der Patienten stärker gefordert werden? Welche Effekte hat der Kostendruck auf die Patientenversorgung und den Arbeitsalltag der Ärzte? Verschlechtert sich dadurch z.B. die Hygiene? An welchen Stellen behindert der ökonomische Druck die effektive Zusammenarbeit von Ärzten, Fachärzten, Pflegern, Physiotherapeuten etc.? Wie akut ist die Gefahr, dass Liegezeiten aus wirtschaftlichen Gründen verkürzt werden und welche Auswirkungen hat dies für die ambulante Nachsorge der Patienten? Welche Folgen haben „Zielvereinbarungen“ mit Chefärzten, die die Steigerung von Patientenzahlen und lukrativen Operationen honorieren? Wäre die Not der Krankenhäuser durch größere Spezialisierungen zu lindern?

-      Medizinprodukte: Künstliche Knie- und Hüftgelenke, Aortenklappenersatz oder Brustimplantate – lukrative medizinische Innovationen, die beim Patienten angewendet werden. Dabei sind vorherige klinische Studien nicht verpflichtend, so dass die unzureichende klinische Prüfung von Medizinprodukten Patienten gefährden kann. Experten bemängeln, dass vor der Marktzulassung keine Evidenz für den klinischen und patientenrelevanten Nutzen verlangt werde und die Zulassungsprozesse nicht transparent seien. Wie ließen sich diese Defizite beheben? Inwieweit wären klinische Studien für Hochrisiko-Produkte (wie Herzkatheter oder Stents) sinnvoll? Müssen die Zulassungsbedingungen für Medizinprodukte verschärft werden?

-      Ambulante Versorgung: Rund die Hälfte der heute niedergelassenen Hausärzte erreicht bis 2026 das Rentenalter – durch Nachwuchsmangel könnten auf dem Land bald bis zu 20.000 Ärzte fehlen. Wie wird sich diese verringerte Versorgungsdichte auswirken? Worauf müssen sich Patienten einstellen, wenn die ambulante ärztliche Versorgung in der Fläche wegbrechen sollte? Wie können mehr junge Mediziner für den Hausarztberuf vor allem in ländlichen Gebieten motiviert werden und welche Anreize müssen hier gesetzt werden? Inwieweit kann dazu das geplante „Versorgungsstärkungsgesetz“ beitragen? Und könnten Fernbehandlungen mit Telemedizin ein Lösungsansatz für unterversorgte Gebiete sein?
 

Zielgruppe

Die Ausschreibung richtet sich an jüngere Freie Journalisten in Deutschland aus allen Mediengattungen, die ein entsprechendes medizinjournalistisches Thema bearbeiten wollen. Besonders freuen wir uns über Bewerbungen von Freien Journalisten, die eher noch am Anfang ihrer journalistischen Laufbahn stehen. Auch Teams aus Freien Journalisten können gemeinsam einen Antrag für ein entsprechendes Projekt stellen – ebenso Teams aus Freien und Redakteuren.
 

Bewerbung

Interessierte können sich mit ihren Recherche-Ideen bis spätestens zum 15. Juni 2015 per E-Mail bewerben. Der Bewerbung sind beizulegen: Projektskizze (max. 2 Seiten), Kosten- und Zeitplanung (max. 2 Seiten), Lebenslauf (max. 1 Seite) und 3x Arbeitsproben. Einen ausführlichen Leitfaden zur Antragstellung finden Sie am Ende dieser Seite zum Download.
 

Jury

Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt durch eine Jury mit renommierten Wissenschaftsredakteuren: Heike Haarhoff (taz), Dr. Regina Oehler (hr2/VMWJ), Dr. Astrid Viciano (Freie Journalistin, ehem. STERN), Markus Grill (SPIEGEL) und Prof. Holger Wormer (Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus, TU Dortmund) sichten die eingehenden Bewerbungen und suchen Ende Juni 2015 die vielversprechendsten Bewerber aus, die anschließend drei Monate Zeit für die intensive Tiefenrecherche haben. Ausschlaggebend sind folgende Kriterien: Originalität und Relevanz des Themas, Eignung des vorgesehenen journalistischen Formats, Aufwand der Recherche und Plausibilität der Kosten- und Zeitplanung.
 

WISSENSWERTE-Recherche-Workshop

Die Stipendiaten sollen ihre Rechercheergebnisse schließlich auf der Fachkonferenz WISSENSWERTE am 16.-18. November 2015 in Bremen vorstellen. Dort findet in Zusammenarbeit mit dem Verband der Medizin- und Wissenschaftsjournalisten (VMWJ) der nächste Recherche-Workshop für Medizinjournalisten statt, in dem ausgewiesene Experten Recherchebedarfe in ausgewählten Themenfeldern aufzeigen und geeignete strategische Herangehensweisen erörtern.

Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie in Ihrem Umfeld auf dieses Angebot aufmerksam machen könnten. Für Rückfragen stehen wir gern jederzeit zur Verfügung.
 

Bitte richten Sie Ihre schriftliche Bewerbung per Mail an:

Holger Hettwer MA | Dr. Franco Zotta
Projektleiter WISSENSWERTE
TU Dortmund | Otto-Hahn-Str. 2 | 44227 Dortmund
T 0231 / 755 69 68
holger.hettwer@tu-dortmund.de  |  franco.zotta@tu-dortmund.de