Deine Meinung: Ein Science Media Center für Deutschland?

Ehec, Tsunami, Kernschmelze: Im Katastrophenfall verlangen Journalistinnen und Journalisten einen schnellen Zugang zu Expertenmeinungen und Fachinformationen. Ein Science Media Center könnte helfen. Die WPK fragt: Wollen wir uns dafür stark machen, dass in Deutschland ein solches Serviceangebot eingerichtet wird?

29.11.2012 | Der erste Eindruck war durchaus positiv: Die Mehrheit (56%) fand, dass ein Science Media Center in Deutschland eine gute Sache sei. Befragt worden waren Teilnehmer der Tagung für Wissenschaftsjournalismus "WissensWerte", die am 26. und 27. November 2012 in Bremen stattfand. Gut 100 von ihnen hatten sich an der Abstimmung beteiligt und damit die Diskussion über ein neues WPK-Projekt eröffnet.

Worum geht es?

Ein paar WPK-Mitglieder haben vor ein paar Monaten die Idee entwickelt, in Deutschland ein Science Media Center (SMC) zu gründen. Inspiriert wurden sie dabei vom britischen SMC, das mittlerweile in immer mehr Ländern Nachahmer findet.

Aufgabe eines deutschen SMC sollte sein, interessierten Journalistinnen und Journalisten, die über Themen aus Wissenschaft, Medizin und Technik berichten wollen, Experten-Interviews (z.B. in Form von Online-Wissenschaftspressekonferenzen) und qualifizierte Hintergrundinformationen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere wenn innerhalb kürzester Zeit Informationen zu Stichworten wie Ehec, Tsunami oder Kernschmelze gefragt sind, müsste das SMC den Journalistinnen und Journalisten als Dienstleister zur Seite stehen. Die Fachinformationen und Experten-Stellungnahmen würden außerdem über die WPK-Homepage allen Journalisten zugänglich gemacht.

So will die WPK dazu beitragen, die inhaltliche Qualität der wissenschaftsjournalistischen Berichterstattung in der Breite zu verbessern, insbesondere in den regionalen Medien und Redaktionen.

Nicht wie in Großbritannien

Bei der Diskussion in Bremen war schnell klar: Eins zu eins wollen wir das britische SMC-Modell nicht auf Deutschland übertragen. Auf der Insel ist es eine Einrichtung von Staat und Wissenschaftsorganisationen. In Deutschland, so sieht es auch der WPK-Vorstand, sollte es von Journalisten für Journalisten betrieben werden: als journalistisches Dienstleistungsangebot, das einzelne Medien oder Journalistenorganisationen nicht (alleine) leisten könnten.

Ausgestattet mit Fördergeldern der Robert-Bosch-Stiftung, hat die WPK nun die Aufgabe übernommen, die Nachfrage und die Realisierungsmöglichkeiten für ein deutsches SMC zu erkunden - Ergebnis: offen.

Eure Meinung ist gefragt

Wichtigstes Element der Studie wird eine breit angelegte Diskussion sein, unter WPK-Mitgliedern und anderen Journalisten, die sich mit Wissenschaftsthemen beschäftigen: Wie groß ist Euer Interesse? Würdet Ihr begrüßen, wenn es in Deutschland ein SMC gäbe? Würdet Ihr seine Angebote nutzen - und wie sollten die aussehen?

Das Projektbüro der WPK wird dazu in den kommenden Wochen eine große Zahl möglicher SMC-Nutzer befragen und - für den Fall eines positiven Echos - erste Konzepte entwickeln, wie ein SMC organisiert und finanziert werden könnte. Wir wollen aber auch hier Eure Meinung kennen lernen: Schreibt, was Ihr von der Sache haltet. Es ist genug Platz für Vorschläge, Wünsche, Kritik.

Hier könnt Ihr Euren Kommentar abgeben:

  1. JOSEF KÖNIG
    Apr 29, 2013 at 03:40 PM

    Guten Tag,

    nach der Teilnahme an der Wissenswerte in Bremen und der nun erfolgten Lektüre des Memorandum ist mir noch immer nicht klar, wofür das SMC gut sein soll bzw. wie es arbeiten wird? Wenn Wissenschaftsjournalisten Experten suchen, stehen ihnen (anders als in Großbritannien) die Forschungsförderdatenbank der DFG und der Expertenmakler des idw-online.de zur Verfügung.

  2. CLAUDIA RUBY
    Apr 29, 2013 at 05:46 PM

    Lieber Josef König, ein Schwerpunkt der Arbeit werden die sog. Krisenzeiten sein: wenn also mal wieder Ehec oder Vogelgrippe die Schlagzeilen beherrschen und alle DEN einen Experten sprechen wollen. Spiegel, SZ & Co. gelingt das dann, der Vielzahl an Lokal- und Regionalmedien aber nicht - gerade dort könnte sich durch ein SMC die Qualität der Berichterstattung verbessern....

    1. RAINER KURLEMANN
      Apr 29, 2013 at 10:50 PM

      Ich finde die Idee sehr gut, weil ich aus der Erfahrung einer Regionalzeitung weiß, wie wichtig solche Informationen sind und wie schwer sie zu bekommen sind, wenn man nicht bei den großen Medien arbeitet. Man könnte damit auch den Kollegen helfen, die wenig eigene Kenntnisse zu dem Thema mitbringen. Wenn für die Umsetzung Unterstützung benötigt wird: Ich bin gern dabei.

  3. UWE SPRINGFELD
    May 02, 2013 at 09:33 AM

    Ich bin mir, was ein Science Media Center angeht, uneins. Zum einen: Experten gibt's wie Sand am Meer. Zu jedem Thema, in jeder Qualität, zu jedem Preis (immer häufiger werden Info-Honorare angefragt und ebenso regelmässig von mir abgelehnt), auf jedem Niveau der Medientauglichkeit. Bei den bekannten Expertenmaklern weiss man nie (entschuldige lieber Josef Zens), was dahintersteht. Expertise, Mediengeilheit oder eine nervige Pressestelle, die sagt: "Mach mal."
    Der Wissenschaftsjournalismus selbst verliert in Konkurrenz zu den Hochglanzpublikationen, Podcasts und dem Web-TV der Forschungsorganisationen an Boden. wird abgedrängt in Wochenendbeilagen (viel Grafik, wenig Text), in wöchentliche Radio- und TV-Magazine. Da bleibt viel Zeit fürs Recherchieren, fürs "Text-feilen".
    Der Krisenjournalismus zu den genannten Beispielen EHEC und Vogelgrippe (gib's keine aktuelleren? Doch:wie ich vor ein paar Tagen mit halbem Ohr gehört habe, könnte es in Syrien keinen Giftgaseinsatz gegeben haben , sondern einen Unfall mit Pestiziden), ist kein Beilagen- ocher Wochenmagazin-Journalismus. sondern tagesaktuell. Also fix recherchiert und dann nicht im Wissenschaftsjournalismus publiziert, sondern bei der Politik. Ist die Behauptung, EHEC-Virus in spanischen Gurken/Pestizige wirken wie Giftgas ein bewusst produziertes "Missverständnis" oder könnte ein Körnchen Wahrheit dran sein?
    Ich denke, in der Fähigkeit, im tagesaktuellen Journalismus bewusst produzierte Missverständnisse von realen Möglichkeiten könnte der Vorteil eines Science Media Centers liegen.

  4. REINER HARTENSTEIN
    Sep 19, 2013 at 06:14 AM

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    ja, wir sollen wir uns dafür stark machen, dass in Deutschland ein solches Service-Angebot eingerichtet wird - auch zur Förderung der Innovations-Kultur.

    Beispielsweise Das Fernsehen behandelt fast nur Themen, an denen wir nichts ändern können, wie z. B. Geschichte, Galaxien, den Urknall, Vulkane, Tsunamies, und andere Naturkatastrophen, das Leben in 10 km Meerestiefe, etc.
    Die Medien klammern jedoch Innovations-trächtige Themen weitgehend aus, die für unsere Wirtschaft wichtig sind. Dies ist insbesondere bedenklich wegen der notorischen Innovationsschwäche in Deutschland und Europa, da hier zwar viel erfunden wird, die Start-ups aber meist anderswo entstehen. Innovation funktioniert nur gut bei Allgegenwart der fachspezifischen Themen und deren Details, auch dank Journalisten mit Übersetzer-Talent.

    Die Medien verschweigen beispielsweise eine der Öffentlichkeit unbekannte massive Energieverschwendung durch Computer und ICT-Infrastrukturen: http://hartenstein.de/fuer_Journalisten/

    Über Innovation als Thema in den Medien (Tutzing, 2012) s. auch: http://hartenstein.de/Innovation-als-Thema-in-den-Medien.htm

    Die Medien klammern Innovations-trächtige Themen weitgehend aus, die für unsere Wirtschaft wichtig sind. Dies ist insbesondere bedenklich wegen der notorischen Innovationsschwäche in Deutschland und Europa, da hier zwar viel erfunden wird, die Start-ups aber meist anderswo entstehen. Innovation funktioniert nur gut bei Allgegenwart der fachspezifischen Themen und deren Details, auch dank Journalisten mit Übersetzer-Talent.

    Was ich hierzu habe vor sehr langer Zeit geschrieben habe, gilt heute noch:
    Über die Entstehung des Silicon Valley: http://hartenstein.de/WamS30Okt1983.html
    Deutschland - in der Rolle eines Entwicklungslandes: http://hartenstein.de/WamS6Nov83_1_2.gif
    Das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valleys: http://hartenstein.de/WamS12Mai96.html

    All diese Probleme sprechen dafür, dass in Deutschland ein solches Service-Angebot eingerichtet wird.






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