Tim Schröder mit Medienpreis Eugen ausgezeichnet

Tim Schröder hat den Medienpreis Eugen für seinen Text "Wo steckt Mr. Rise?" erhalten, der im NZZ Folio 09/11 "Am Tatort" veröffentlicht wurde.

David Rosenthal, Mitglied der Jury:

"Auch Hacker machen mal Fehler. Dann wird es gefährlich für sie und manchmal auch spannend für uns. Vor allem, wenn wir die Jagd nach einem dieser Cybertäter im Beitrag mitverfolgen dürfen, den der deutsche Journalist Tim Schröder letztes Jahr im NZZ Folio publiziert hat. "Wo steckt Mr. Rise?" heisst die Detektivgeschichte. Im Mittelpunkt steht der Sicherheitschef des Hochschul-Providers Switch, der aufgrund einer kleinen Auffälligkeit im Computer eines Schweizer Forschungsinstituts auf die Spur eines Kreditkartenbetrügers kommt, der auch hierzulande völlig unbehelligt und unauffällig unzählige Rechner kapern konnte, um diese für seine illegalen Geschäfte zu missbrauchen.

Doch wie gesagt: Auch Hacker machen mal Fehler und bei Mr. Rise – so nannte er sich – war es, dass er sein "Rootkit" – so nennt sich das von ihm benutzte Hacker-Werkzeug – im Computer seines Opfers unter einem neuen Dateinamen abspeicherte, statt sich hinter einer bestehenden Datei zu verstecken. An dieser Stelle greift Schröder die Story auf, erzählt wie der Sicherheitsexperte dem Unbekannten immer näher kommt, bis ihm der zweite Fehler unterläuft: Er schützt seine Hacker-Software mit einem viel zu schwachen Passwort. In Minuten ist es geknackt, der Spiess umgedreht und die Hacker-Software so verwanzt, dass sie selbst eine Datenspur legt. Diese führt den Sicherheitsexperten und uns Leser schliesslich nach Amsterdam, wo der Hacker offenbar verhaftet werden kann. Sein Anschluss jedenfalls ist ab diesem Moment tot.

Was mit Mr. Rise wirklich passiert ist, erfahren wir als Leser zwar ebensowenig wie damals der Sicherheitsexperte, der ihm auf die Spur kam. Aber Schröder hat uns schon eine Perspektive in eine Unterwelt eröffnet, die zwar rund um uns und in vielen unserer Computer existiert, die wir aber normalerweise nie zu Gesicht bekommen und bekommen sollen. Die Technik und ihre Zusammenhänge erklärt er ganz nebenbei. Die Jagd nach Mr. Rise ist der spannende rote Faden der Geschichte, doch der Leser erfährt von Schröder zum Beispiel auch, wie sich die Täter organisieren. Etwa, wo sie ihre verschiedenen Helfer rekrutieren oder wie sie fremde Computer inzwischen vollautomatisch kapern. Und trotzdem stolpern sie offenbar immer wieder über menschliche Fehler.

Fazit: Der Beitrag von Tim Schröder ist nicht nur bestens recherchiert und informativ, sondern ganz einfach eine spannende Geschichte aus der Schattenwelt der Informatik. Das hat die Jury bewogen, den Beitrag mit dem diesjährigen "Eugen" in der Kategorie Presse auszuzeichnen. Wir gratulieren!"