Nachwirkungen des "Anti-Impf-Tsunamis" in Japan: Riko Muranaka vom Impfgegner verklagt

Die Ärztin und Journalistin Riko Muranaka hat beim WPK-Pressegespräch am 15. Februar in Berlin berichtet, wie in Japan ein Mix aus Fake Science und Fake News eine Panikreaktion gegen das Impfen ausgelöst hat. Seit dem Pressegespräch sind zahlreiche Berichte in deutschsprachigen Medien erschienen, s. Presseschau unten.

Riko Muranaka wurde aufgrund ihrer evidenzbasierten Berichterstattung dermaßen angefeindet, dass sie ihre Heimat verlassen hat. 2016 wurde sie von einem  impfkritischen Arzt wegen Verleumdung verklagt. Ein Bezirksgericht gab dem Kläger nun Recht. Riko Muranaka  und der damalige Chefredakteur, in dem Muranaka bis dahin veröffentlicht hat, sollen nun über 25.000 Euro Strafe zahlen und die Anwaltskosten des Klägers übernehmen. Außerdem muss das Magazin „The Wedge“ laut Urteil eine Gegendarstellung veröffentlichen und einen Teil des Artikels, in dem der Arzt kritisiert wird, löschen.

Zum Weiterlesen:

Financial Times (26.03.19): Anti-vaxxer wins libel case in Japan in blow for scientist

Science (27.03.19): Japanese-court-rules-against-journalist-hpv-vaccine-defamation-case

Precision Vaccinations (28.03.19): Japan anti-vaxxer wins legal battle with a mouse

MedWatch (26.03.19): Klage gegen Riko Muranaka: Gericht in Tokio gibt Impfgegner Recht

Deutschlandfunk (26.03.19): Japanische Investigativ-Journalistin verliert vor Gericht

Statement Tracey Brown, director at Sense about Science (28.03.19)

Statement Simon Singh (28.03.19)

Spektrum (29.03.19): Wenn Impf-Aberglaube gewinnt

 

Nachlese WPK-Pressegespräch 15. Februar 2019:

Gebärmutterhalskrebs: Falsche Studie zur HPV-Impfung in Japan (Beitrag von Volkart Wildermuth in "Forschung Aktuell / DLF 15.02.19)
In Japan werden nur noch sehr wenige Mädchen und Frauen gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft. Dabei ist die Impfung kostenlos – und durchaus effektiv. Doch gleich mehrere Kampagnen argumentierten erfolgreich gegen die HPV-Impfung. Und arbeiteten dabei auch mit Fälschungen. Die Folgen sind gravierend.

Fake News in der Wissenschaft (Beitrag von Volkart Wildermuth in "Quarks" / WDR5 15.02.19)
Rasend schnell verbreitete sich in Japan eine Geschichte über Mädchen, die durch eine HPV-Impfung krank geworden sein sollten. Es waren offenbar Fake News - mit gravierende Folgen. Die Impfrate ging rapide zurück.

HPV-Impfung: Wie Japan von einem Anti-Impf-Tsunami erfasst wurde (Gastbeitrag von Riko Muranaka / medwatch 15.02.19)

English version / How Japan was taken by an anti-vax tsunami

 

"Die haben die meisten meiner Berufskollegen zum Schweigen gebracht" (Interview von Nicola Kuhrt / Spiegel Online Plus 15.02.19)
Die japanische Ärztin Riko Muranaka geriet ins Visier radikaler Impfgegner. Wie geht sie damit um?

HPV-Impfung - was steckt hinter der Debatte in Japan?
(Beitrag von Volkart Wildermuth in "IQ" / BR Sendung 16.02.19, ab Min. 13:20)

Vermeidbares Leid (Beitrag von Kathrin Zinkant / SZ Plus 19.02.19)
Impfkritiker gibt es überall auf der Welt. Nur selten richten sie so einen Schaden an wie in Japan. Dort ist eine Impfung zum Desaster geraten, nachdem Handyvideos von torkelnden Kindern auftauchten.

Gefälschte Studie: Radikale Impfgegner bedrohen japanische Ärztin (Beitrag von Hristio Boytchev / NZZ 23.02.19 $ / Blendle)
Wegen einer gefälschten Studie bricht in Japan die Impfquote gegen das humane Papillomavirus (HPV) ein. Eine Ärztin deckt den Skandal auf und wird massiv bedroht.


Impfskeptiker bestimmen den Diskurs (Beitrag von Manfred Ronzheimer / taz 23.03.19)
Impfgegner haben erreicht, dass die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs kaum in Anspruch genommen wird. Eine Journalistin hält dagegen.