| Wie alles begann - Jean Pütz über die Gründungsphase der WPK |
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Der langjährige Vorstandsvorsitzende und Gründungsmitglied Jean Pütz erinnert sich an die ersten Schritte hin zu unserer unabhängigen Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten. In den 80er Jahren wurde ein lang gehegter Wunsch, eine Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten zu gründen, immer konkreter. Vordem führten wissenschaftlich-technische Inhalte in den Publikumsmedien eher ein Schattendasein.
Die Zeitungen brachten höchstens ein bis zwei Seiten pro Woche, im Hörfunk fand Wissenschaft überhaupt nicht statt und im Fernsehen wurden bestenfalls die Themen meist in die - seinerzeit nicht sehr frequentierten - 3. Programmen abgeschoben und zu ungünstigen Zeiten ausgestrahlt. Natürlich gab es auch damals schon Ausnahmen: 1969 hatte ich vom WDR die Chance erhalten, eine eigene Naturwissenschaftliche Redaktion aufzubauen. Wir bewiesen: Das Publikum interessierte sich brennend für solche Inhalte, nur die Chefs (Intendanten, Direktoren, Chefredakteure, usw.) hielten dies bestenfalls für Randnotizen, wenn man einmal von der Berichterstattung über die damals sehr populäre Weltraumfahrt absieht. Der delikate Weg zu einer "Mafia der Vernunft" Wie so oft schafft ein solcher für uns Journalisten frustrierender Tatbestand ein intensives Suchen nach Abhilfe. So versuchte ich persönlich, zunächst meine Fernsehkollegen zu einer von mir so genannten "Mafia der Vernunft" zu bewegen, die die Notwendigkeit von verständlichen wissenschaftlichen Informationen in alle Bereiche des Fernsehens kolportieren sollte. Dieses Ansinnen blieb eine Fiktion, denn Wissenschaftsjournalisten sind offenbar in der Regel starke Einzelkämpfer, selbst wenn die Synergien durchaus eingesehen wurden. Dass sich die "Vernunft" trotzdem durchgesetzt hat, ist dem damaligen SPD-Abgeordneten Professor Ulrich Lohmar zu verdanken. Er war seinerzeit Direktor des Instituts für Kommunikationsforschung. In dieser Eigenschaft hatte er die bedeutendsten Wissenschaftsjournalisten der Bundesrepublik, u. a. Anne-Lydia Edingshaus vom Bild der Wissenschaft, Frank J. Eichhorn von der Stuttgarter Zeitung, Dr. Rainer Flöhl von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Günter Haaf vom GEO, Wolfgang Hoffmann von der Zeit, >B>Anatol Johannson von der Deutschen Welle, Dr. Wolfgang Mock von den VDI-Nachrichten, Karl-Heinz Preuss vom Deutschen Forschungsdienst und Hans-Jürgen Sotthoff vom Handelsblatt und mich vom Westdeutschen Rundfunk nach Mayschoss an der Ahr eingeladen. In informeller Atmosphäre wurde viel diskutiert und irgendwie setze sich die Idee durch, dass eine Interessenvertretung von unabhängigen, nicht der Politik, der Industrie oder anderer Organisationen verpflichteten Wissenschaftsjournalisten viele unserer Probleme lösen könnte. So wurden wir zwar häufig zu den unterschiedlichsten Pressekonferenzen und Events eingeladen, aber die Themen lagen fest und waren im Interesse des Einladenden. Der Wunsch war: Themen selbst festzulegen So lag der Wunsch nahe, Themen selbst festzulegen, aus den unterschiedlichsten Aspekten zu diskutieren, und zwar indem wir solche Konferenzen in Eigenorganisation veranstalten würden. Dies hätte auch den Vorteil, dass die Vortragenden von uns nach ihrer Qualifikation ausgewählt werden könnten. Wissenschaftsjournalisten haben - berufsbedingt - das Ohr am Puls der Zeit. Mehr als die Wissenschaftler selbst haben sie Übersicht über die verschiedensten Gebiete und erkennen Vernetzungen, Zusammenhänge ebenso wie Nebenwirkungen und Risiken der Forschung und Wissenschaft. Tief bohren für einen festen Stand Ich habe das einmal in einer Diskussion - an der auch der damalige Bundespräsident von Weizsäcker teilnahm - folgendermaßen sinnbildlich ausgedrückt: Wissenschaftler müssen tief bohren, um einen festen Stand zu finden. Gute Wissenschaftler müssen dann nach Möglichkeit selbst in ihr Bohrloch einsteigen, was logischerweise die Weitsicht beinträchtigt. In dieser Situation sind sie auch froh, wenn oben einer von Bohrloch zu Bohrloch wandert, die Ergebnisse aufgreift und begreift und an diverse Adressaten vermittelt, sowie in einem Übersetzungsvorgang auch an das allgemeine Publikum. Diese Aufgabe kann in idealer Weise der Wissenschaftsjournalist erfüllen, der dann auch noch zur Kommunikation der Wissenschaftler untereinander beitragen kann. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Aufgaben durch Wissenschafts-Pressekonferenzen hervorragend erfüllt werden können, insbesondere wenn es keine reine Verkündungs-Pressekonferenzen sind, wie zum Beispiel bei der Bundespressekonferenz oder in den schon erwähnten Pressekonferenzen bestimmter Interessenten. Genau diese Informationslücke konnte im Rückblick die WPK schließen. Sehr oft entzündeten sich unter den Wissenschaftlern und Journalisten heiße Diskussionen, die jedoch halfen, das jeweilige Problem zumindest zu objektivieren. Entscheidende Verdienste bei der Umsetzung dieser Ideen hatte unsere erste 1.Vorsitzende Anne-Lydia Edingshaus, die mit ihrem Charme und Einfühlungsvermögen selbst skeptische Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vom Nutzen überzeugen konnte. Großen Wert legte die Gründungsversammlung auf die Unabhängigkeit. Aus diesem Grunde wurde beschlossen, dass nur aktive, in Medien konkret tätige Journalisten als Mitglieder infrage kommen. Da dieser Beschluss für Pressesprecher - im Gegensatz zu vielen anderen journalistischen Vereinigungen - bedeutete, dass sie sozusagen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen wären, entzündeten sich daran heiße Diskussionen. Aber die deutliche Mehrheit entschied sich dafür, dass diese Tatsache unveränderlich in der Satzung verankert wurde. Die "Erfindung" des Kuratoriums Die "finanzielle" Unabhängigkeit wurde durch einen beispielhaft hohen Jahresbeitrag erreicht. Aber er wäre unerschwinglich geworden, wenn wir uns nicht die Institution eines Kuratoriums hätten einfallen lassen. Obwohl es uns Journalisten keinerlei Weisungen erteilen kann, trägt es bis heute immerhin fast zur Hälfte zur Finanzierung der WPK bei. Dadurch wurde die WPK weitgehend von Spenden unabhängig, was sicherlich zur Glaubwürdigkeit erheblich beigetragen hat. Das Kuratorium der WPK hat sich in einer anderen Weise auch als idealer Partner erwiesen, weil die Erfahrung der handverlesenen Kuratoren, die in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielen, das Ansehen und die Schlagkraft der WPK erheblich gesteigert haben. Alles in allem bin ich überzeugt davon, dass - wenn es die WPK nicht gäbe -sie schleunigst erfunden werden müsste. Fast schon ein Zeitdokument: Die Liste der Gründer (als pdf-Datei) |







